Architekten entwickeln ein ganz neues Erlebnis Stuttgart

 

Eva Jacob im Gespräch mit drei angehenden Architekten, die einen neuen Stadtführer kreiert haben.

 

Wie oft zieht ein Mensch in seinem Leben um?

Wenn er dann in eine neue Stadt kommt, möchte er diese natürlich fernab von Stadtplan und Internet wirklich kennen lernen.

Sich von der Atmosphäre fesseln lassen, oder eben nicht.

Die Leute verstehen und die schönsten Plätze entdecken.

 

Drei angehende Architekten von der Uni Stuttgart stellten genau unter diesem Gesichtspunkt im Rahmen der Ausschreibung „Wohnen in Stuttgart“ einen interaktiven Stadtführer vor. Sie starteten damit den Versuch „unsere Stadt auf eine neue, interessante Art zu präsentieren.“

Indem Sie eine Strecke festlegten, einzelne Gebäude näher beschrieben und auch Gespräche mit Passanten und Hauseigentümer festhielten, gelang ihnen das.

Beweist zumindest eine sehr gute Resonanz.

Trotz dieser großen Nachfrage und Begeisterung für dieses Konzept, wird es voraussichtlich nicht zu kaufen sein, über das „Warum“ klärten uns Caren-Maria Jörß (24) und Lars Müller (27) auf.

 

 

Hallo ihr beiden, wo ist der dritte im Bunde?

„Patrick Yong ist leider derzeit nicht Stuttgart, er konnte auch das Projekt nicht mit vorstellen, aber wir denken, dass wir ihn angemessen vertreten.“

 

Jetzt erzählt erstmal, was kann man sich genau unter eurem Stadtführer vorstellen?

Er ist als eine Art Querschnitt gestaltet. Eine Reiseroute durch Stuttgart mit Anfangs- und Endpunkt. Wir haben verschiedene Gebäude und Plätze ausgewählt, die unserer Meinung nach Stuttgart ausmachen. Weiterhin gibt es Interviews mit Passanten, Architekten und den Bewohnern der Häuser. Der User kann sich auf der Strecke entlang bewegen, seine Geschwindigkeit selber bestimmen und auswählen, über welche Punkte er mehr Informationen haben will und mit wem er reden will.

 

Und was ist das Besondere daran?

Wir haben versucht, so auch Zwischenräume zu erfassen, damit man sich intensiver mit Stuttgart auseinandersetzt und erkennt, was die Stadt zu bieten hat. Individuell, was man sich anschauen möchte.

Klingt interessant, aber auch sehr komplex, was war der Auslöser für euer Projekt?

Wir haben an der Uni immer die Möglichkeit aus den verschiedensten Entwürfen zu wählen. Die Möglichkeit mal einen Film zu machen war reizvoll. Es hat ja doch recht wenig mit dem zu tun was wir sonst so machen, immerhin sind wir Architekturstudenten. DieKooperation zwischen dem Institut für Wohnen und Entwerfen mit der Filmakademie BW gab uns die Möglichkeit uns anhand von  „Aufwärmübungen“ mit der ganzen Technik vertraut zu machen, schließlich Drehorte gesucht.

 

Und schließlich das Projekt gestartet?

Erstmal haben wir die Strecke definiert. Sie ist mit ca. 16,8 km doch ziemlich lang vor allem wenn man alles zu Fuss abläuft. Danach ging es ans organisieren der Interviewpartner. Bei manchen Bewohnern konnten wir über die Architekten herstellen

Dann haben wir Flyer mit Telefonnummer usw. bei den Häusern eingeworfen, die uns interessiert haben. Manche Leute haben zurückgerufen, bei anderen mussten wir hartnäckig dranbleiben. Viele konnten sich unter unserem Projekt auch nichts vorstellen, es war also schwer sie zu überzeugen. Aber die meisten waren für ein Interview bereit.

 

Und wie viel Zeit hattet ihr bis zur Abgabe?

Insgesamt ein halbes Jahr. Wir haben aber auch jede Stunde gebraucht, der Stadtführer wurde erst am Tag der Abgabe fertig.

 

Hattet ihr überhaupt Ahnung von der Technik oder journalistischen Interviewmethoden?

Kaum. Wir haben zwar einige Tipps von der Filmakademie bekommen, trotzdem passierten die typischen Anfängerfehler. Z.B. dass „mhh“ oder „Ja“ während eines Interviews, dass man dann natürlich hören konnten. Aber natürlich lernt man so was mit der Zeit.

 

Und nach dem Dreh wussten ihr schon, wie der Stadtführer aussehen soll?

Ja, doch. Wir hatten die Oberfläche schon mehr oder weniger im Kopf und Maria hat dann alles in Flash programmiert. Auch eine Riesen-Arbeit. Wir Jungs haben geschnitten und Maria musste sich mit den Programmiersprachen auseinandersetzen, obwohl sie davon bis dahin nur wenig Ahnung hatte.

  

Aber es scheint funktioniert zu haben, wart ihr ein gutes Team?

Auf jeden Fall. Wir haben 100% miteinander übereingestimmt und freiwillig viel Zeit und Arbeit investiert. Geschmäckerunterschiede es zwar schon, aber am Ende wird man sich immer irgendwie einig.

 
Und welche Note gab es von der Uni.

Eine 1,0

 

Was habt ihr jetzt mit dem Stadtführer vor?

Es ist keinerlei Planung, das kommerziell aufzuziehen. Man muss dazu sagen, dass auch nicht alles  von uns ist. Bei einem Haus sind Aufnahmen von der ARD dabei und für die haben wir keine Rechte. Natürlich wäre es eine schöne Sache für Touristen und interessierte Architekten gewesen, trotzdem wollen wir prinzipiell an dem Stadtführer weiterarbeiten. Kreuzpunkte einbauen und andere Wege. Es ist ja alles offen und frei erweiterbar.

 

Und nach dem Diplom- wollt ihr dem Medium „Film“ treu bleiben?

Auf keinen Fall. Architekten drängen sich so und so schon überall rein, nicht auch noch beim Film. Mal schauen, welche Möglichkeiten, sich ergeben werden. Der Architekturbezug bleibt.

 

Vielen Dank für das Gespräch


Das Interview führte Eva Jacob.

20.05.2018